Das ganze Ägerital ist eine Pfarrei (bis 1714)

Im Spätmittelalter verfestigten sich die politischen Strukturen im Ägerital: Es entstand die Talgemeinde Ägeri, die zugleich auch Pfarrei war, sowie die beiden eigenständigen Gemeinden Oberägeri und Unterägeri.


Die Talgemeinde war zuständig für Aussenbeziehungen mit den unmittelbaren Nachbarn, wie Menzingen, Baar und der Stadt und dem Amt Zug, aber auch mit Schwyz oder der Stadt Zürich, für den Zoll und für die innere und äussere Sicherheit. Sie entschied in militärischen Angelegenheiten sowie in kirchlichen und schulischen Fragen. 

Die Gemeinden Ober- und Unterägeri regelten die örtlichen Aufgaben, wie Nutzung des Allmendlandes, der Wälder sowie des Sees und der Bäche, den Unterhalt der Wege und Strassen und an ihren Gemeindeversammlungen entschieden sie auch über die Aufnahme von neuen Bürgern. 

Die Pfarreirechte hatte ursprünglich das Kloster Einsiedeln inne. Diese Rechte kaufte die Talgemeinde Ägeri im 17. Jahrhundert ab und entledigten sich so der Zehnt- bzw. der Steuerpflicht nach Einsiedeln. Die Ägerer wählten jetzt auch ihren Pfarrer selber. In Oberägeri stand die Pfarrkirche, in Unterägeri und Hauptsee Kapellen. 

Auf Grund der damaligen Einwohnerverhältnisse – Oberägeri hatte etwa 800 Einwohner und Unterägeri etwa 600 – unterlagen die Unterägerer bei strittigen Abstimmungen und Wahlen an der versammelten Talgemeinde häufig, zum Beispiel bei Pfarrerwahlen. Die Schule fand in Oberägeri statt. Es gab keine Schulpfrund, das heisst keine Stelle für einen Priester und Lehrer, in Unterägeri, aber deren zwei in Oberägeri. Unterägeri fühlte sich als Teil der Talgemeinde Ägeri vor allem in kirchlichen und schulischen Fragen immer weniger verstanden.