Die Gemeinde Unterägeri wird eine Pfarrei (1. Viertel des 18. Jahrhunderts)

1714 wird Unterägeri rechtlich eine selbständige Pfarrei, 1721 kann die Pfarrkirche im Beisein der Geistlichkeit des ganzen Tales eingeweiht werden. Endlich, 1725 übernimmt als erster Pfarrer der Unterägerer Bürger Dr. Bernhard Fliegauf die Leitung der Pfarrei.


Im Umfeld des zweimal nicht gewählten Pfarrerkandidaten aus Unterägeri, Dr. Bernhard Fliegauf, und der beiden Politiker, dem Ratsherr und Gemeindeschreiber Sigmund Heinrich und dem Ammann Kaspar Euster, entstand deshalb gegen des 17. Jahrhunderts die Idee, die kirchlichen Geschicke durch die Gemeinde Unterägeri selber an die Hand zu nehmen. 

Der gut ausgebildete Theologe Fliegauf hatte sich als Pfarrer und Dekan in Kirchberg im Toggenburg ein stattliches Vermögen erarbeitet. Häufig war er in Unterägeri zu Besuch. Der Plan, sich eine eigene Pfarrei Unterägeri zu schaffen, nahm konkret Formen an. Fliegauf kannte das Kirchenrecht. Er war auch bereit, grosse Teile seines Vermögens einzusetzen. Beim Bistum in Konstanz argumentierte Unterägeri für eine eigene Pfarrei mit allzu weiten Wegen bis zur Pfarrkirche, mit religiöser und schulischer Vernachlässigung, da kein Kaplan in Unterägeri wohne, und mit der gewachsenen Einwohnerzahl. 

Nach intensiven Verhandlungen gab im Januar 1714 das Bistum Konstanz grünes Licht, aber nur unter Bedingungen. Es musste eine eigene, neue Pfarrkirche mit Friedhof, sowie ein Pfarrhaus gebaut werden und genügend Kapital vorhanden sein, um einen Pfarrer bezahlen zu können. 

Es ging also um viel Geld. Pfarrer Fliegauf stellte umfangreiche Mittel zur Verfügung, ebenso Sigmund Heinrich. Auch die Unterägerer leisteten ihren Beitrag durch Frondienste beim Bau des Pfarrhauses und der Pfarrkirche.

Endlich, im Sommer 1725 entschied sich Pfarrer Dr. Bernhard Fliegauf, bereits 68-jährig, „seine“ Pfarrei Unterägeri selber zu übernehmen.

Die Gemeinde Unterägeri war jetzt auch für eine funktionierende selbstständige Pfarrei mit allen Rechten und Pflichten verantwortlich.