Die 1860 eingeweihte, neugotische Pfarrkirche steht nach Norden gerichtet quer zum Talverlauf. Sie dominiert trotz der enormen Bautätigkeit, insbesondere auch in unmittelbarer Umgebung, noch heute das Dorfbild von Unterägeri, ja des ganzen Ägeritals.

Seit dem Bau der ersten Pfarrkirche 1721 bis 1860 vervierfachte sich die Bevölkerung von Unterägeri auf 2400 Personen. Das Bedürfnis nach einem grösseren Gotteshaus war seit Jahrzehnten dringend. Allein, woher das Geld!

Die Eigentümer der Spinnereien nutzten die Gunst der Stunde und versprachen Baukredite, die durch Fronarbeit der Fabrikarbeiterinnen und Fabrikarbeiter gesichert wurden. Als Gegenleistung erreichten sie eine Lockerung des kirchlichen Arbeitsverbots an den zahlreichen Feiertagen. Zusätzlich hatte jede Familie Fronarbeit zu leisten.

1856 kaufte die Gemeinde südlich der alten Landstrasse ein 8’100 m2 grosses Grundstück für 4000 Franken. Architekt Adolf Uttinger, der für die Spinnereiherren arbeitete, entwarf ein erstes Projekt. 1857 erhielt der Zürcher Architekt Ferdinand Stadler einen Vertrag für den Bau einer neugotischen Saalkirche. Ihm oblagen die Detailplanung, die Statik, die Kostenberechnung und die Bauleitung.

Der Baugrund sowie die Grösse des Baus erwiesen sich als sehr schwierig. Es kam zu massiven Kostenüberschreitungen von gegen 300 Prozent. Auf eine neue Orgel musste verzichtet werden. Die Abzahlung der Bauschuld plagte die Kirchgemeinde bis 1898.

Nach dreijähriger Bauzeit wurde am 14. Oktober 1860 die über 1200 Personen fassende Pfarrkirche Heilige Familie mit dem 70 Meter hohen Turm feierlich eingeweiht.

Schon bald zeigten sich Risse und Bauschäden. Bisweilen befürchteten Fachleute, die Kirche müsse aus statischen Gründen abgerissen werden. Nach vierzig Jahren war eine grundlegende Renovation unumgänglich. Unter der Leitung des Einsiedler Pater Dr. Albert Kuhn wurde die Kirche baulich saniert, im Innern neu verputzt und fast vollständig ausgemalt.

Die nächste Restauration – 60 Jahre später – stand unter Leitung von Kirchenarchitekt Hans Steiner. Seit langem stritten sich Kunstverständige über die Neugestaltung des Innenraumes. Jetzt wurde auf alles Malwerk im Kircheninnern verzichtet. Die reich verzierten Altäre und ihre Aufbauten sowie die Heiligenstatuen wurden entfernt. Als neue Elemente zieren drei kunstvolle Glasfenster von Hans Schilter im Chor sowie zwei Betonreliefs und 14 in Kunststoff gegossene, rote Kreuzwegreliefs von August Bläsi den imposanten Kirchenraum, der seit einigen Jahren mit LED-Lampen ausgeleuchtet wird.