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20.03.2020, 09.58

Hoffnungswort zum Palmsonntag, 5. April 2020: Urs Stierli, Pastoralraumleiter und Gemeindeleiter Oberägeri

Mit dem Palmsonntag verbinde ich viele Kindheitserinnerungen. Bei uns war es Brauch, in der Woche vor dem Palmsonntag möglichst grosse Palmbäume zu erstellen. Wegen der stacheligen Palmblätter taten uns die Finger weh. Der Palmsonntagsgottesdienst selber war zweiteilig – auch stimmungsmässig. Vor der Klosterkirche wurde das Evangelium vom triumphalen Einzug Jesu nach Jerusalem gelesen und die Palmen gesegnet. Danach gab es eine Prozession durch das Dorf, die von der Musikgesellschaft angeführt wurde und in der Pfarrkirche endete. Dort war es auch mit der fröhlichen Stimmung vorbei. Es wurde die Leidensgeschichte Jesu gelesen, so wie sie uns in den Evangelien überliefert ist. Da war nichts mehr von «Hosianna!», vielmehr hiess es: «kreuzige ihn.» Es ging um Ablehnung und Unverständnis, es ging um das Leiden Jesu und es ging um das Leiden der Menschen von heute.

Diese stimmungsmässige Zweiteilung der Palmsonntagsliturgie nimmt etwas von dem auf, was wir im eigenen Leben erleben: Wie nahe sind Jubel und Ablehnung, Freude und Trauer, Gesundheit und Krankheit, Leiden und Tod – gerade in diesen Tagen des Jahres 2020.

Davon erzählen auch die Stacheln der Palmblätter. Sie erinnern mich an das Schwere, Ungute – eben an das Stachelige. Doch, und das dürfen wir nie übersehen: Die Blätter der Stechpalmen sind und bleiben grün. Die Fläche des grünen Blattes ist viel grösser als die der einzelnen Stacheln zusammen. Das Grün dominiert. Grün, die Farbe des Wachsens, was uns gerade jetzt die Natur zeigt. Grün, die Farbe der Erneuerung. Grün, die Farbe der Hoffnung. Als Christinnen und Christen sind wir immer auch hoffende Menschen. Es ist die christliche Hoffnung, die uns trägt, die uns im Leben trägt. Ich hoffe und glaube, dass das Leben sich letztlich durchsetzt. Das Leben im Hier und Jetzt und über unser irdisches Sein hinaus.

Zum 5. Fastensonntag, 22. März 2020: Jacqueline Bruggisser, Pfarreiseelsorgerin Oberägeri

«Ich bin die Auferstehung und das Leben». Mit diesen Worten tröstet Jesus die um ihren verstorbenen Bruder trauernde Marta, geschrieben im heutigen Evangelium (Johannes 11.1-45). Er fährt danach gleich fort: «Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben».

In seinen geistlichen Exerzitien wünscht Ignatius von Loyola, dass die Texte der Bibel nicht nur mit den Augen und dem Kopf gelesen werden. Er schlägt vor, den Text zu verkosten, ihn auf der Zunge zergehen zu lassen, wie ein Stück Schokolade. Denn, so argumentiert er: «Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Befriedigung, sondern das innere Schauen und Verkosten der Dinge.» Also noch einmal ganz langsam:
«Wer  an  mich  glaubt,  wird  leben,
auch  wenn  er  stirbt,
und  jeder,  der  lebt  und  an  mich  glaubt,
wird  auf  ewig  nicht  sterben. »

Verblüffend, dass Jesus Marta gleich anschliessend – und heute auch uns – nach ihrer Einstellung fragt: «Glaubst du das»? Können wir wie Marta antworten, «Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, die Auferstehung und das Leben …»? Im Gespräch stellt sich heraus: Marta meint das zukünftige Leben, jenes Leben nach dem Tod. Da stellt sich mir die Frage: «Hat Jesus keine Antworten fürs Hier und Heute»?

Zum Glück geht die Geschichte weiter. Jesus lässt sich von Marta und Maria zum Grab des Lazarus führen. Dort weint er um seinen Freund. In der gemeinsamen Trauer verbunden, steht er so den Schwestern bei. Dann aber ruft er Lazarus aus dem Grab. Dies ist ihm möglich durch seine tiefe Verbundenheit mit seinem Vater. Damit das die Umstehenden verstehen, drückt er es laut aus: «Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast … Wegen der Menge, … habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast». Ganz direkt ruft er danach: «Lazarus komm heraus»!

Jesus ruft Lazarus zurück in dieses Leben. Er ruft auch mir und Ihnen, liebe Leserin/lieber Leser, zu: «Komm heraus aus deiner Dunkelheit, deinem Erstarrt-Sein. Komm ans Licht, in die Weite und Fülle des Lebens». Wenn wir dann eventuell etwas zögerlich neue Schritte wagen und noch gefangen sind von alten Dingen, Verletzungen und Gewohnheiten, dann dürfen wir auf Geschwister hoffen, die den Befehl Jesus gehört haben: «Löst ihm, dem Lazarus, die Binden und lasst ihn weggehen». Jesus wünscht sich für uns das volle Leben im Hier und Jetzt. Als Christen, die an Ihn glauben, sind wir aufgerufen, dabei kräftig mitzuhelfen – wie es viele Menschen in der momentanen Krisensituation auch tun. Ich glaube, dass Jesus uns dabei zur Seite steht, wie er es bei Marta und Maria tat.

 

Zum 4. Fastensonntag, 22. März 2020: Eva Maria Müller, Pfarreiseelsorgerin i.A. Neuheim und Menzingen

Die Kirche verkündet an diesem Tag: «Laetare!» – «Freue dich!» Dieser Ausruf wurzelt im lateinischen Eröffnungsvers der Messe: «Freue dich, Stadt Jerusalem! Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung.» (Vers aus dem Buch des Propheten Jesaja)

Mit dem heutigen Tag ist die Mitte der Fastenzeit bereits überschritten. Das Osterfest – Fest der Auferstehung – rückt näher. Diese Vorfreude wird ausgedrückt durch die liturgische Farbe Rosa. Das österliche Weiß strahlt durchs Violett der Fastenzeit hindurch. Nur zweimal im Kirchenjahr haben wir die liturgische Farbe Rosa: am dritten Adventssonntag (gaudete) und am vierten Fastensonntag (laetare).

«Freue dich!»… klingt im aktuellen Ausnahmezustand geradezu sarkastisch. Wie, bitteschön, soll man sich freuen können in einer derart bedrohlichen Zeit? Mit einem fürs menschliche Auge unsichtbaren Virus haben sich existentielle Ängste, Probleme und Unannehmlichkeiten weltweit unübersehbar verbreitet.

Doch – brauchen wir nicht in diesen Tagen erst recht Grund zum Freuen? Meine Beobachtung ist es, dass sich Positives mindestens ebenso schnell verbreitet, wie das Virus selber. Ich denke da etwa an die Besinnung auf das, was wirklich zählt im Leben und an die freigewordene Zeit für Dinge, die sonst immer zu kurz kommen. Ich freue mich über die vielen kreativen Ideen von generationenübergreifender Solidarität und Hilfsbereitschaft und über Menschen, die auf Balkonen miteinander singen, musizieren und applaudieren für Mitarbeitende in den Spitälern. Mich beeindrucken Meldungen, dass sich durch die eingeschränkte Mobilität Luft und Wasser bereits beginnen zu erholen.

«Laetare!» soll uns heute ermutigen, festzuhalten an Freude und Hoffnung, die unser Glaube vermittelt. Bleiben wir hoffnungsvoll und unterstützen wir einander, so gut es geht. Bleiben wir innerlich miteinander verbunden, auch in Zeiten räumlicher Distanz.

Das Pastoralraumteam lädt uns dazu ein, jeden Tag um 20.00 Uhr innezuhalten und zu beten. Dies schafft Gemeinschaft mit allen anderen Pfarreiangehörigen, die zu dieser Zeit ebenfalls beten. Und vielleicht sehen wir abends im einen und anderen Fenster eine Kerze brennen als Zeichen, dass wir aneinander denken und füreinander beten.

Mit der folgenden Kurzgeschichte wünsche ich allen, die diese Zeilen lesen, Gottes Segen, gute Gesundheit und das Bestmögliche in dieser aussergewöhlichen Zeit.

Wie wird das Wetter heute?

Ein Wanderer: «Wie wird das Wetter heute?»

Der Schäfer: «So, wie ich es gerne habe.»

«Woher wisst Ihr, dass das Wetter so sein wird, wie Ihr es liebt?»

«Ich habe die Erfahrung gemacht, mein Freund, dass ich nicht immer das bekommen kann, das ich gern möchte. Also habe ich gelernt, immer das zu mögen, was ich bekomme. Deshalb bin ich ganz sicher: das Wetter wird heute so sein, wie ich es mag.»

Antony de Mello